Entscheidung im Park

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Beschreibung

“Die Kaminski-Kids” Band 8

Brunnen Verlag, Basel
180 Seiten, Hardcover gebunden, mit Illustrationen von Lisa Gangwisch

Die Kaminski-Kids müssen sich blitzschnell entscheiden: Als ihr bester Freund wegen Drogen in Schwierigkeiten gerät, versuchen sie ihm aus der Klemme zu helfen. Doch dabei geraten die Kids und ihr Collie selbst in den Brennpunkt des Geschehens. Die Lage spitzt sich zu, das Verhängnis nimmt seinen Lauf – bis zur endgültigen Entscheidung im Park…

“Sogar Lesemuffel werden durch die Kaminski-Kids zu Leseratten.”
Schweizer Illustrierte, CH-Zürich

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Leseprobe aus “Die Kaminski-Kids: Entscheidung im Park”

1. Gebunkerter Stoff

“Hey, was machen die denn da?”
“Leise, Raffi!”, flüsterte Simon seiner jüngeren Schwester zu, und Debora legte der Kleinen rasch den Finger auf die Lippen.
Die drei Kaminski-Kids schlichen sich zur Ecke des Jugendhauses Planet7 und linsten in den schattigen Hinterhof.
Dort verschwanden die Jungs der Banfits eben zwischen ein paar Mülltonnen. Mirko, Jens, Ergün und die anderen von der Bande bückten sich und öffneten ihre Taschen.
“Woa, was hast du denn da Fettes mitgebracht, ey?”, drang Mirkos Stimme zu den Kids.
“Eine Flasche Wodka”, antwortete Jens stolz.
“Voll krass, Mann!” Ergün klatschte ihn ab. “Wo hast du die denn aufgetrieben?”
“Im Bahnhofsladen – war ganz leicht”, protzte Jens. “Da kennt mich keiner, und mit meinem gefälschten Schülerausweis hat mir die Verkäuferin den Stoff problemlos rübergeschoben.”
Die Kaminski-Kids warfen sich einen Blick zu und drängten sich näher an die Mauer. Sie waren an diesem warmen Freitagabend eine Woche vor Sommerferienbeginn unterwegs zu einer Party im Planet7, als sie plötzlich auf die Banfits aufmerksam wurden.
“Yo, Mann, und ich hab eine Ladung Bier dabei”, erklärte Mirko hinten im Hof. “Und dazu noch was Süßes mit Wodka drin.”
“Gut verstecken, das Zeug”, flachste Ergün. “Sonst schnappt es uns noch jemand vor der Nase weg, ey!”
An der Hausecke flüsterte Raffi: “Was soll denn das? Warum machen die das?”
Simon wollte eben antworten, da kamen die Banfits wieder nach vorne.
“Schnell weg hier!”, zischte Debora.
Die Kids rannten los, doch sie schafften es nicht weit. In der Mitte des Gebäudes bremsten sie jäh ab, damit die Banfits, die eben um die Ecke bogen, sie nicht beim Wegspurten ertappten.
“Was steht ihr denn da rum?”, pflaumte Mirko sie an. Der Bandenboss schlenderte lässig auf sie zu, während hinter ihnen auf der Allee zwischen dem Jugendhaus und dem Stadtpark der Abendverkehr rollte.
Mirko baute sich vor den Kids auf und schirmte seine Augen gegen die Sonne ab, die schon tief am Horizont stand. Dabei kamen seine Muskeln dank seines ärmellosen Shirts eindrücklich zur Geltung.
Die anderen Banfits stellten sich neben ihn. Jens schob sich einen Stöpsel seines MP3-Players ins Ohr und grummelte: “Yo, Mann, was steht ihr da rum, ey?”
“Du brauchst nicht alles zu wiederholen, was ich sage, Mann”, wies Mirko ihn pampig zurecht.
“Na, dann eben nicht”, nuschelte Jens und pflanzte sich den zweiten Hörer ein.
Simon hob die Schultern. “Wir gehen auf die Party, was sonst?”
Herausfordernd schaute Mirko ihn an. “So, so. Und deshalb lungert ihr vorm Haus rum? Wisst ihr was, Leute …?”
In diesem Augenblick näherten sich von der Bushaltestelle her die Freunde der Kids aus ihrem Dorf. Loko, Suila und Raffis neue Freundin Nina waren soeben hier im größeren Nachbarort angekommen, wo der Jugendkeller war.
“Gibt’s Probleme?”, fragte Loko.
“Hört, hört!”, grinste Mirko abschätzig. “Der große Mechmed Gülgün riskiert ‘ne dicke Lippe!”
“Du darfst mich ruhig Loko nennen – wie alle anderen auch”, entgegnete Simons Freund gelassen.
Mirko warf einen kurzen Blick auf seine Bande und sah dann wieder die Kids an. “Ihr wollt zur Party? Also, worauf wartet ihr noch, Mann?” Er spuckte zu Boden und schlurfte zum Eingang des Jugendtreffs. “Kommt, Jungs! Mal sehen, was drinnen so abgeht.”
Als die Banfits hinterhergondelten, atmete Raffi auf. Auch ihre Geschwister waren erleichtert. “Zum Glück seid ihr gekommen”, lächelte Debora die Freunde an.
“Diese Typen suchen eh immer Zoff”, schmunzelte Loko. “Bloß sind sie bei uns an die Falschen geraten!”
Da deutete Lokos Schwester Suila zum Planet7. “Schaut mal, die warten auf uns!”
Tatsächlich standen die Banfits auf den Stufen, die zum Partykeller hinabführten, und starrten herüber.
“Na, dann wollen wir mal.” Debora nickte Suila zu und schlenderte mit ihrer besten Freundin los.
Die restlichen Kids folgten den Mädchen zum Eingang.
Auf der Treppe war vorläufig Endstation.
Mirkos Jungs verstellten den Weg. Dabei machten sie Faxen und klopften ein paar faule Sprüche.
Doch schließlich ließen sie die Freunde durch.
Gemeinsam traten die Kids vor der Jugendbande in den schummrigen Partykeller.
Drinnen donnerte laute Musik aus den turmhohen Boxen. Der Raum war mit roten und gelben Spots nur schwach beleuchtet, und einige Besucher standen bereits in kleinen Gruppen herum.
Die Banfits schlurften in ihren XXL-Elefantenjeans auf eine der abgetakelten Sitzgruppen zu und fläzten sich in die Polster.
Derweil gingen die Kids zur Bar. Dort begrüßten sie die Jugendhausleiterin Petra – die junge Frau mit dem kurzen schwarzen Haar freute sich, sie zu sehen, und fragte, was sie trinken wollten. Alle wählten eine Cola, worauf Petra begann, Becher aus einer Zweiliterflasche zu füllen. Hinter der Theke hing ein Schild mit der Aufschrift: KEIN ALKOHOL IM PLANET7.

Während die Mädchen sich ein bisschen auf der Party umschauten, suchten Simon und Loko einen freien Tisch. Dabei fiel ihnen auf, dass die Banfits einen neuen Jungen misstrauisch musterten. Er saß alleine in einer Ecke und hatte eine Kapuze auf, die er sich tief ins Gesicht gezogen hatte. Da er zudem den Kopf leicht vorgeneigt hielt, konnte man nicht viel von ihm erkennen.

“Wer ist denn das?”, fragte Simon, als er sich hinsetzte.
Loko hob die Schultern und nahm ebenfalls Platz. “Kratzt mich eigentlich nicht. Ich bin in letzter Zeit nicht so gut drauf.”
“Warum denn?”
“Ach, weißt du … Mich nervt das von Tag zu Tag mehr. Ich hab einfach keine Lust, zu Hause immer nur den braven Jungen zu spielen. Du weißt ja, mein Vater ist krass streng. Aber dann kommen noch die ganzen Regeln dazu – kein Schweinefleisch, kein Alkohol, keine Mädchen, keine Drogen … in einem Wort: kein Spaß. Ein Wunder, dass ich heute hierher durfte. Zuerst wollte er mich und Suila nicht mal auf die Party lassen.”
“Echt?” Simon nahm einen Schluck aus seinem Plastikbecher und bemerkte, wie drüben der Junge mit der Kapuze rastlos im Raum umherblickte, rauchte und nervös mit den Fingern auf den Tisch trommelte. Der Typ konnte keine Minute ruhig sitzen, er war dauernd in Bewegung.
“Ich hab auch nicht grade einen guten Lauf”, erzählte Simon. “Bei mir zieht im Moment alles daneben. Die letzte Prüfung war ein totaler Absturz – wenn das so weitergeht …”
“Aber du hast wenigstens noch deine Antje”, schmunzelte Loko.
Simon schürzte die Lippen. “Ich hab schon fast eine Woche nichts mehr von ihr gehört. Keine SMS, keine Mail … Was weiß ich, was da läuft …”
“Das tut mir leid”, murmelte Loko betreten.
In diesem Augenblick tauchte Debora auf. “Simon, kommst du? Das Tischfußballspiel-Turnier beginnt gleich. Wenn wir das Spiel gewinnen, sind wir eine Runde weiter!”
“Klar!” Er stand auf. Das Turnier war mit ein Grund, weshalb die Kids zur Party gekommen waren. Da gab es nämlich schöne Preise, CD- und Kinogutscheine. Vorausgesetzt natürlich, man würde das Finale gewinnen. “Kommst du auch?”, fragte er Loko.
“Nee, du. Ist ja nur die Vorrunde, die übersteht ihr locker. Ich muss erst mal ein bisschen abhängen.”
Simon und Debora verschwanden in den hinteren Teil des Raums zur Tischkicker-Ecke, und Suila folgte ihnen, weil sie ihrer Freundin beim Spiel zuschauen wollte.
Raffi und Nina setzten sich auf die Treppe abseits der dröhnenden Lautsprecher-Anlage, um das Treiben im Jugendkeller zu beobachten und ein wenig zu plaudern. Die beiden Mädchen hatten sich wie immer viel zu erzählen …
Inzwischen waren noch mehr Leute eingetrudelt – einige davon waren Schulkameraden der Kids. Viele aber, die sie gar nicht alle kannten, kamen aus dem Ort hier.
Loko schaute sich im Raum um und bemerkte, dass der Junge mit der Kapuze noch immer alleine in der Ecke saß. Er fragte sich, ob er ihn vielleicht mal ansprechen sollte, denn irgendwie hatte der etwas an sich, das Loko anzog. Warum auch nicht?! Also nahm er seine Cola und schlenderte durch das Getümmel zu der Sitzecke hinüber.
“Hast du was dagegen, wenn ich mich zu dir setze?”, fragte er laut, um das Wummern der Musik zu übertönen.
Der Junge nahm einen Zug aus seiner Zigarette, sah sich um, wischte eine Aschenflocke von seiner Hose und deutete schließlich auf den Nebensessel.
Loko ließ sich ins Polster fallen und stellte sich vor.
“Ja, und ich bin der Sven”, entgegnete der Junge und schob seine Kapuze ein wenig zurück. Darunter kam eine knallschwarz gefärbte Stoppelfrisur zum Vorschein. Er schien etwas älter als die meisten hier zu sein. Loko schätzte ihn auf vielleicht 18 oder 19 Jahre. An Svens einem Ohr glänzten mindestens zehn Piercings, und auch seine Brauen und die Unterlippe waren gepierct. Das Auffälligste aber waren seine hellen Augen – sie wirkten wie unter Strom.

An der Bar beobachtete Petra den Trubel im Jugendhaus, das sich im Lauf des Abends immer mehr gefüllt hatte. Dabei fiel ihr Sven auf. Die Leiterin wurde das Gefühl nicht los, der Junge führe irgendetwas im Schilde. Als sie für eine Weile keine Getränke ausschenken musste, entschloss sie sich, ihm einmal auf den Zahn zu fühlen.
Sie drängte sich zwischen den Besuchern quer durch den Raum zur Sitzecke hinüber. Dort begrüßte sie Loko und sprach dann Sven an. “Hey, ich hab dich noch nie hier gesehen. Wie kommst du auf die Party, kennst du Leute?”
“Geht dich zwar nichts an, aber ich sag’s dir trotzdem.” Sven drückte seine Zigarette aus und strich sich die Kapuze wieder ein bisschen tiefer ins Gesicht. “Ich will mich bloß ein bisschen umsehen, was abgeht.” Er sprach so leise, dass Petra sich vorbeugen musste, um ihn verstehen zu können. “Bis vor ein paar Jahren”, sagte er, “hab ich im Nachbardorf gelebt, aber jetzt bin ich in ‘ner Großstadt. Hatte die Nase voll vom Kaff-Leben. Bin sozusagen auf Heimaturlaub, Leute von früher treffen und so. Genügt das?” Er lächelte sie selbstsicher an.
Doch Petra war noch nicht zufrieden. Ohne Umschweife fragte sie: “Was hast du hier drin vor?”
“Nichts, nichts”, wiegelte Sven ab. “Bleib ganz easy, Baby.”
Die Jugendleiterin schaute ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Dann ging sie zurück zur Bar. Ihr ungutes Gefühl war sie nicht losgeworden.
Sven sah ihr abschätzig hinterher. “Die Tussi führt sich ja auf wie so’n oller Hausmeister.”
“Ich find sie gar nicht so übel”, meinte Loko. “Die hat schon was auf dem Kasten – ist ‘n toller Kerl. Aber mir gefällt, wie du sie hast abblitzen lassen. Dass du dir nichts vorschreiben lässt.”
“Das hab ich mir schon lange abgeschminkt. Da kommst du nirgends hin. Früher wollte mir mein Vater immer alles verbieten, und …”
“Deiner auch?” Loko blickte ihn aufmerksam an.
“Na klar. Aber ich hab alles hingeschmissen und bin abgehauen. Jetzt zieh ich mir das richtige Leben rein. Das nenn ich Freiheit, Mann. Ich lass mir von keinem dreinreden.”
“Du hast voll alles hingeschmissen?”, fragte Loko beeindruckt. “Die Schule auch?”
Sven schüttelte den Kopf. “Nee, die Schule nicht. Aber danach ging’s echt los. Ich hab Sachen erlebt, bei denen andere erst mal richtig durchatmen müssten.”
“Was denn?”
“Das möchtest du wohl wissen, was?” Um Svens Lippen spielte ein geheimnisvolles Lächeln. Doch eine Antwort gab er nicht.